Das Märchen vom Freiberufler - Homeoffice vs Atelier

Donnerstag, Oktober 10, 2013

Wenn man freiberuflich von zu Hause aus arbeitet merkt man schnell, wie einsam das doch sein kann. Toll, weil man machen kann was man will, aber auch blöd, weil man einfach absolut niemanden hat mit dem man sich kurz austauschen kann. Und wenn es nur blödes Geplänkel über das Wetter ist, irgendetwas fehlt.

Das Thema Home-Office ist und bleibt dennoch, im Vergleich zu meist teuren Ateliers, eine der verlockendsten Möglichkeiten. Man spart sich  die Miete und Fahrtkosten, und kann in der Tat arbeiten wann man möchte. Wichtig hierbei ist jedoch Disziplin, Organisationstalent und die Fähigkeit das Private wirklich von der Arbeit zu trennen. Das kann man lernen, indem man sich einfach immer wieder kurz fragt ob das was man gerade macht zur Arbeit gehört oder eben nicht. Natürlich verschmilzt das ganze ein wenig miteinander, wenn man seinem Traum nach geht. Aber ein gewisses Risiko bleibt, dass man z.B. die sozialen Netzwerke nicht nur beruflich, sondern dann plötzlich wieder privat nutzt. ;) Vor einiger Zeit hatte ich dazu schon mal einen Post geschrieben: Tipps & Tricks: Home-Office. Wenn ihr mögt schaut doch noch mal rein, es gibt ein paar Tipps was man beachten könnte, um effektiver von zu Hause zu arbeiten.

Meiner Meinung nach kann man nicht von Beginn seiner Freiberuflichkeit wirklich einschätzen, was einem mehr liegt. Das merkt man erst nach und nach, quasi learning by doing. Oder wie auch immer man das nennen möchte, denn man lernt als Freiberufler auch sehr viel über die eigene Persönlichkeit. 

Ich bekam die tolle Chance einen Schreibtisch in einer Eventagentur in Köln zu bekommen. Völlig kostenfrei, durfte das Internet und Telefon mitbenutzen und wenn ich ein Kundengespräch habe den Meetingraum nutzen. Dafür wurde ich dann für Grafikarbeiten (mit Honorar) eingesetzt und habe am ganz normalen Agenturleben teilgenommen. Leider konnte ich dieses Angebot keine vier Wochen wahrnehmen. Die Entfernung zu dieser Agentur war einfach zu groß, zudem hatte ich da meinen ersten großen Auftrag und war viel unterwegs. Ich hätte das einfach sehr gerne noch weiter gemacht, habe mich dann aber dazu entschieden das evtl. ein anderer Freiberufler diesen Platz besser ausfüllen würde.

Mein Fazit:
Ich bin ein recht introvertierter Mensch. Zu viele Menschen um mich herum, machen mich nervös und ich arbeite oft auch gerne einfach für mich alleine. Jedoch brauche ich auch ab und an einen Kollegen, mit dem ich über Projekte sprechen kann. Um Tipps auszutauschen, damit mal jemand von aussen drauf schaut und sagt was er davon hält und einfach um sich über die neuesten Trends auszutauschen. Sollte ich also doch nochmal auf die Idee kommen in die Freiberuflichkeit zu starten, dann mit einem Kollegen zusammen. In einem Atelier bzw. Büro. :)

Aber auch hier muss man schauen was besser zu einem passt. Großraumbüro oder lieber nur so ein Räumchen, dass man sich mit einer weiteren kreativen Person teilt!? Ich würde mich definitiv für das kleine Räumchen entscheiden. In Großraumbüros habe ich im letzten Jahr auch einige Zeit verbracht und ich kann euch sagen, es ist absolut wuselig. Die Gefahr ist groß, dass dauernd jemand an dir vorbeiläuft, das dir ständig über die Schulter geschaut wird, alle 10 Sekunden das Telefon klingelt, im Minutentakt kommen E-Mails rein die für alle und irgendwie doch nur für einen gedacht sind… Das kann wahnsinnig anstrengend sein. Zudem kippt auch meiner Meinung nach sehr schnell die Stimmung, wenn auch nur einer miese Laune hat und das an seinen Kollegen auslässt. Also sich lieber ein kleines Büro teilen. Da gibt es nämlich auch wahnsinnig tolle Vorteile: man einigt sich auf eine Musikrichtung oder einen Radiosender und kann in Ruhe vor sich hinwerkeln. Absprachen bzw. Besprechungen dauern 10 Minuten und keine volle Stunde, weil man ja nur zu zweit (oder vielleicht auch zu Dritt ist), wenn das Telefon klingelt spricht nur einer und wenn man eine seiner Arbeiten mal kritisieren lassen will hört man nicht 10 verschiedene Meinungen die alle darauf beharren die richtige zu sein. Ihr seht schon, ich bin nicht so gut auf Großraumbüros zu sprechen. ;)

Wie ist euer Arbeitsumfeld? Seit ihr zu Hause oder in einem Großraumbüro?
xo Julia

5 Liebe Kommentare

  1. Ich arbeite von zu Hause und fühle mich SEHR einsam...wie schon schreibst...aber ich habe hier in der Umgebung keine Anstellung gefunden...ein Dorf mit 300 Einwohnern...da fehlt mir so einiges...
    Die Disziplin...auaaaaahhhh...ein ganz wunder Punkt...lese gleich mal Deinen anderen Post dazu.
    Es hat alles Vor-und Nachteile...aber das Organisieren muss ich noch lernen, denn ich schaffe gefühlt irgendwie nix mehr...und verdaddel viel zu viel Zeit !!!
    Wenn Du noch Tipps hast...gerne her damit...

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    1. Oh ja… auch bei mir ein wunder Punkt diese Disziplin. Da muss ich immer wieder dran arbeiten. ;) Ein weiterer Post zu diesem Thema ist in Planung… Habe da ein bisschen was zusammen gesammelt. :)

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  2. Ich habe für mich die momentan perfekte Mischung gefunden:
    Zu Hause arbeiten finde ich ganz wunderbar... Allerdings nur, weil ich regelmäßig für einen kleinen Verlag arbeite und in dieser Zeit dann dort in der Redaktion bin.
    Dort habe ich Kollegen mit denen ich eng zusammen arbeite und genieße das dann auch sehr.
    Und wenn Produktionstage dort vorbei sind, freue ich mich dann um so mehr auf die Ruhe in meinem Homeoffice ;-)
    Da ich einigermaßen diszipliniert bin, habe ich auch kein Problem damit, mich vom Frühstückstisch direkt auf den Weg an den Schreitisch zu machen. Und in gemütlicher Jogginghose arbeiten ist manchmal auch nett...
    Das Großraumbüro in dem man dann aber ja eigentlich doch alleine an seinen Jobs arbeitet wäre aber glaube ich nichts für mich.
    Liebe Grüße, Änni

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    1. Liebe Änni,
      sowas ist natürlich genial. Ganz kurz hatte ich auch das Vergnügen so ähnlich zu arbeiten. Ein paar Tage in einer Agentur, den Rest der Woche von zu Hause aus. Das war klasse. Weil man aus der Agentur auch so viel positive kreative Energie für andere Projekte mitnehmen konnte. Sehr schade das es nicht lange geklappt hat. Ohja.. Die Jogginghosenarbeitsstunden sind nicht zu verachten, da geb ich dir Recht. ;)
      xo Julia

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  3. danke für deinen kommentar & schön, dich hier gefunden zu haben! mir geht es ähnlich wie dir: das homeoffice ist unschlagbar vorteilhaft, muss aber ganz schön einstecken, wenn es um den kreativen austausch angeht. ich glaube, wir sollten alle ein homeoffice mit onlien-verknüpfung einrichten ;)

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Vielen Dank für deinen Kommentar, darüber freue ich mich sehr. Falls du mir eine Frage stellst, schau auf jedenfall noch einmal rein. Ich versuche alles zeitnah zu beantworten. :)
Hab einen tollen Tag!