Das Märchen vom Freiberufler - Gerüchteküche

Dienstag, August 13, 2013

Heute starten wir in meine Reihe: "Das Märchen vom Freiberufler". Die Gerüchteküche brodelt und ich möchte euch daraus erzählen.

Freiberufler haben den weitverbreiteten Ruf (kommt ja von "Be"Ruf ;) ) grundsätzlich immer und für alles Zeit zu haben. Sie arbeiten kaum und häufen trotzdem Unmengen an finanziellen Polstern an. Meistens treten sie vereinzelt auf, man könnte meinen sie seien gerne alleine und scheuen die Gesellschaft. 

Man sagt, als Freiberufler oder Selbstständiger hätte man ja viel Zeit. Freiberufler können arbeiten WANN sie wollen, WO sie wollen und WIE sie wollen. Ein total selbstbestimmtes Leben könnte man meinen. Klingt toll, oder? Ausschlafen, Sonne genießen, den ganzen Tag rumliegen und eben dann arbeiten wenn einem danach ist. So die Gerüchteküche...

Super, oder? 
Aber wisst ihr was mich am meisten nervt? Das mir oft die passenden Antworten dazu einfach zu spät einfallen. Erst vor ein paar Wochen war ich mit meinem Freund zum Grillen eingeladen. Er wurde gefragt wann er Urlaub hat und danach wurde sich grinsend mir zugewandt:"naja, du hast ja eh immer Urlaub." Meine Antwort war einfach nur ein debiles Grinsen mit dem Zusatz "Jahahaha….". Am liebsten hätte ich aber gerne Folgendes gesagt:

"Ich bin freiberuflich tätig. Das heißt ich arbeite selbstständig. Die Bedeutung hiervon kennt jeder: Selbst und ständig. Genau das ist es. Und das Beste: kein Tag ist wie jeder andere.

Wie jeder andere Mensch der Geld verdient stehe ich jeden Morgen auf und fange an zu Arbeiten. Nur mit dem Unterschied, dass ich das Haus nicht verlassen muss. Toll? Ja, aber ein Fluch und ein Segen zugleich. Ich liebe meinen Beruf und ich bin stolz auf das was ich bisher geschafft habe. Ich bereue keinen Fehler und bin unendlich dankbar für die Erfahrungen die ich dadurch machen darf.

Ich bin eine Person in einem Unternehmen. Mädchen für Alles. Ich kümmere mich um Kundenakquise, um das Schreiben von Angeboten und um die Erstellung von Rechnungen. Meine Aufgabe ist es die Kundenaufträge abzuwickeln, d.h. gegebenenfalls ein Komplettpaket zu erstellen (Logo, Geschäftspapiere und Co.). Ich bin Chef, Mitarbeiter, Ansprechpartner, Dienstleister, und Designer in einem. 

Es gibt kein festes Monatsgehalt, Bonuszahlungen oder Prämien. Feierabend und Urlaub gibt es nur wenn ich es mir erlaube. Wenn ich nicht arbeite verdiene ich kein Geld. Sollte ich also mal krank sein, weiss ich von vornerein das ich für diese Zeit in der ich ausfalle kein Geld bekomme. Wenn ein Kunde nicht zahlt, weil er nicht will oder vielleicht auch doch nicht kann (ja, das fällt manchen Kunden spät auf), dann habe ich Pech und jede Menge Stress an der Backe.

Und trotzdem bin ich gerne freiberuflich. Weil es mich unglaublich glücklich macht einen Auftrag von vorne bis hinten komplett alleine durch zu ziehen. Und sei das Ende noch so ungewiss."

Jetzt mal ehrlich, es macht so viel Spaß das alles zu machen. Schlimm ist es nur, wenn man nicht darauf vorbereitet ist was so alles passieren kann. Leider wird man während der Ausbildung oder Studium viel zu wenig oder gar nicht darauf vorbereitet. Dank meiner wunderbaren Praktika bei zwei Illustratoren, kam ich zum Glück nicht ganz ohne Vorwarnung in die Freiberuflichkeit. Ich bin noch lange kein Experte für dieses Gebiet. Keineswegs. Aber meiner Meinung nach, bin ich genau an der Stelle um sagen zu können was mir stinkt. Und mir stinkt es gewaltig, dass man als Freiberufler oft in Schubladen gesteckt wird die für viele von uns einfach viiiiiiiiel zu klein sind. Denn mal ehrlich: welcher Angestellte würde freiwillig auf Urlaub verzichten, nur um diesen einen tollen großen Auftrag abwickeln zu dürfen!? Richtig. :) 

Ich möchte auch gar kein Mitleid für die Freiberufler dieser Welt. Keineswegs. Wer Mitleid empfindet ist hier eh falsch. Ich möchte aufklären und versuchen ein wenig Licht in die Schublade bringen in die man oft gesteckt wird. Denn das ist harte Arbeit und nicht in jedem Menschen steckt ein Freiberufler, eben weil man sich um alles selber kümmern muss. Und jetzt bitte, her mit euren Stories. Was ist euch schon mal "unterstellt" worden? 
xo Julia

6 Liebe Kommentare

  1. Damit sprichst Du mir wirklich aus dem Herzen!
    Du beschreibst die Wahrheit, und zwar schön ;-)
    Ich habe einige Freunde, denen es ein Rätsel ist, warum ich als Selbstständige nicht jede Einladung zu einem mittäglichen Kaffee annehmen kann. Nein, ich habe nicht IMMER FREI...
    Meine Lieblingssituation ist Freitag Abend einen Auftrag zu bekommen (der natürlich schon die ganze Woche hätte eintrudeln sollen) und natürlich will der Kunde Montag Morgen schon was sehen. Ja, mach ich. Aber irgendwie finde ich es manchmal seltsam, dass es scheinbar selbstverständlich ist, dass ich es mache.
    Trotzdem liebe ich meinen Job und will mit niemand tauschen ;-)
    Liebe Grüße, Änni

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Freitagabendaufträge sind absolut super!!! :) Und Kaffee zum Mittag geht klar, aber wie das dann oft so passiert: aus mal eben einem Kaffee trinken wird eine ewig lange Unterhaltung und schwupps ist der Tag vorbei! :)
      xo Julia

      Löschen
  2. Liebe Julia,
    wieder ein toller Beitrag zum Thema freiberufliche Tätigkeit. Ja, so ist das mit der Schlagfertigkeit - na ja, das ist nicht das richtige Wort - mit einer guten Antwort, sie kommt einfach zu spät. Aber bei der nächsten Gelegenheit hast du nun die passende parat.
    Freiberufler sind wahre Organisationstalente, engagiert, haben Verantwortungsbewusstsein und sind wohl teilweise flexibler als so manches Gummiband - Dinge, die man von vielen 8h-im Laufrad verbringenden Angestellten nicht gerade behaupten können. Orientiert an den schriftlich fixierten Zielvereinbarungen, den Organisationshandbüchern und -richtlinien XY und dann noch aufregen bei jeder noch so kleinen Abweichung vom Terminkalender auf...total unentspannt;) Natürlich ist das jetzt plakativ, aber wenn man ein paar Sekunden länger darüber nachdenkt..., macht Sinn, oder?:D
    Eine schöne Fortsetzung. Ich freue mich auf die nächste.
    Liebe Grüße, Bianca

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "…flexibler als manches Gummiband" - tolle Kurzbeschreibung. :)
      Liebste Grüße Julia

      Löschen
  3. Liebe Julia,

    mir gefällt dein Blog sehr gut. :-) Ich bin erst vor kurzem auf deinen Blog gestossen. Es ist schön, dass du aus der Sicht des Freiberuflers berichtest. Viele können sich den Alltag nicht wirklich vorstellen.

    Ich habe auch ein paar Fragen zu diesem Thema. Ich bin selber auch am überlegen als Freiberuflerin zukünftig zu arbeiten. Zurzeit bin ich in einem Unternehmen noch angestellt, aber so langsam bin ich davon nicht mehr so überzeugt. Nun aber meine Fragen ^^ Man bereitet sich vor, erstellt die eigene Homepage, Logo und alles was für die eigene Firmenpräsenz wichtig ist. Dann ist irgendwann alles fertig und dann? Wie war dein Anfang und wie hast du deine ersten Kundenaufträge bekommen??? Und wie läuft die Kundenakquise weiter??

    So, das war es erst einmal. Ich finde es super, dass du zu diesem Thema schreibst, weil gerade dazu noch viel Aufklärungsarbeit nötig ist.

    Ich bin schon von vorne herein, dir für jeden zukünftigen Beitrag dazu sehr dankbar! :-)

    Nun auch noch ein Lob zu deinen Arbeiten, die du hier veröffentlichst. Man sieht und spürt richtig
    wie viel Liebe und Leidenschaft du in deine Arbeiten steckst. Mach weiter so!

    Hab einen schönen Tag! :-)

    Ganz liebe Grüße Katja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Katja, dankeschön das höre ich gern! :)
      Das Thema Kundenakquise ist sehr umfangreich, aber ich werde auch darauf zu sprechen kommen.
      Wenn du dir sicher bist, dass du diesen Weg gehen willst dann lass es am besten jetzt schon so viele wissen wie möglich. Mund-zu-Mund-Propaganda ist immer noch die beste Werbung! :)
      xo Julia

      Löschen

Vielen Dank für deinen Kommentar, darüber freue ich mich sehr. Falls du mir eine Frage stellst, schau auf jedenfall noch einmal rein. Ich versuche alles zeitnah zu beantworten. :)
Hab einen tollen Tag!